Zukunft braucht Erinnerung Dass wir als Kirchengemeinde für das Gebäude einer ehemaligen Synagoge verantwortlich sind, ist für uns eine ehrenvolle Verpflichtung. Der erste Bürger mosaischen Glaubens kam im Jahre 1810 nach St. Ingbert. Im Jahre 1840 lebten sechs jüdischen Familien in der Stadt.
Die höchste Zahl jüdischer Mitbürger wurde im Jahre 1927 mit 88 Personen registriert.
Im Jahre 1876 konnte die kleine Gemeinde eine eigene Synagoge errichten. Sie war ein einfacher aber äußerst geschmackvoll und
harmonisch gestalteter Bau. Wie sie ausgesehen hat, hat der Pirmasenser Künstler H. Repp auf der Basis von Innen- und Außenaufnahmen
ekonstruiert, insbesondere auch durch eigene Recherchen unter dem Dach.
Im Jahre 1945 musste auf Anordnung der amerikanischen Besatzungsmacht die Synagoge wieder für ihren ehemaligen Zeck hergerichtet
werden. Am 8. Juni 1945 fand die feierliche Einweihung durch einen Militärrabbiner und der erste Gottesdienst für amerikanische
Soldaten jüdischen Glaubens statt. Im Frühjahr 1949 erfolgte eine Rückübertragung an die Jüdische Kultusgemeinde
Saar. Ein Jahr später erwarb unsere Kirchengemeinde das Gebäude, um in ihm ein Jugendheim einzurichten.
Durch den Umbau in den 50er Jahren verlor das Haus viel von seinem Charme und Charakter. Gerade dadurch spiegelt es das jüdische Schicksal wider: Wären die Juden nicht vertrieben worden, hätte die Synagoge ihre ursprüngliche Bestimmung behalten können, und ihre Schönheit hätte nicht praktischen Anforderungen weichen müssen. Inzwischen wurde das Gebäude unter Berücksichtigung seiner ursprünglichen Zweckbestimmung sowohl innen als auch
außen komplett renoviert. Heute ist das Amt für Religionsunterricht, eine Einrichtung der Evangelischen Kirche der Pfalz
zur religionspädagogischen Begleitung, Aus- und Fortbildung von Theolog(inn)en, in der ehemaligen Synagoge untergebracht: eine
würdige Nutzung der ehemaligen „Judschul“. |
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